Ein radikal ehrlicher Roman über Frauenfreundschaften – was sie bedeuten, wie sie uns prägen, was sie uns antun.
Alice macht Schluss. Manche würden sagen, »es ist doch nichts«, sicher sogar wird Christin das gleich sagen. Aber nachdem, was mit Yv war – es ist zu viel. Alice arbeitet noch nicht lange als Erzieherin in einer Kita in Berlin, und ihre Kollegin Christin ist ihr auf Anhieb sympathisch. Zusammen zwischen klebrigen Händen, nervösen Eltern und Kindertränen, das schweißt zusammen – schneller und enger, als es Alice lieb ist. Sie muss das beenden, bevor es an alten Wunden rührt, wenn es nicht sogar schon zu spät ist. Das letzte Mal, als Alice eine Freundschaft zu eng wurde, ist noch nicht lange her. Der Umzug nach Berlin, der erste Job in einer Kita und die »geilste WG aller Zeiten« mit Mo, Reike und Yv. Doch was als intensive Freundschaft begann, eskalierte in der engen Vier-Zimmerwohnung mit den welligen Tapeten schnell. Damit sie Nähe wieder zulassen, ihre Ängste überwinden und heilen kann, muss Alice für sich einstehen. Aber das ist leichter gesagt, als getan…
Julia Rothenburg schreibt über Freundschaften, wie man es selten gelesen hat: fatal ehrlich, offen verletzlich und auf raue Art berührend. Wie wertvoll, prägend und alles überstrahlend diese Bindungen sein können, aber auch wie tief die Verletzungen sind, wenn Vertrauen missbraucht wird. Es geht um diese leisen Misstöne einer Freundschaft, die so sehr anschwellen können, dass Glas springt. Raus bist du noch lange nicht ist ein spannend intensiver und in seiner Feinfühligkeit radikaler Text über das, woran wir uns festklammern, und was sich loszulassen lohnt.
»›Freundschaft kann echt scheiße sein‹, sagtest du unvermittelt. ›Zumindest am Anfang. Wer ist mit wem befreundet. Wer mag wen lieber. Wenn man es noch einüben muss, geht es eigentlich meistens schief.‹ Schieflaufen, das war vermutlich das Wort. Und deine Vermutung, dass es nur, wenn man es noch einüben muss, schieflaufen kann. Dass man das irgendwann kann: befreundet sein, ohne einander zu verletzen.«