Unverstellt und humorvoll erzählt Cy Linke in »Stierhunger« von Krankheit und Lust, Queer Joy und Queer Pain, von Konfrontation und Zärtlichkeit, Begehren und Aufbegehren. Ein klarer, poetischer und hochaktueller Roman über ein unverschämtes Leben mit den Hörnern durch die Wand.
Cy ist von Stieren besessen. Mit dem Plan, Stierkämpfer:in zu werden, reist Cy nach Sevilla und landet dort mitten in den Feierlichkeiten der Osterwoche: Die Stierkampfschule hat zu. Während Cy auf den ersten Stierkampf wartet, begegnet dey zwischen Weihrauch und One-Night-Stand, Jungfrauenkult und Strap-On-Workshop den eigenen Überschreibungen: Dem Kind auf der katholischen Mädchenschule, das auf dem Schulhof seine beste Freundin heiratet und merkt, dass es wegmuss. Dem Jungen, der sich an der kanadischen Westküste zum ersten Mal wie er selbst fühlt. Dem zurück in Deutschland die rechten Winkel auffallen und die Traurigkeit, die über dem Elternhaus hängt. Der nicht mehr auf die Mädchenschule passt, sich an die Zeit in Kanada klammert und Essstörungen entwickelt. Dem Girl on Fire, das im Gym seinen Körper stählt, bis zum Erbrechen. Dem Stier mit Stierhunger, dem eine Sprache dafür fehlt.
Bulimie heißt wörtlich Stierhunger. In Sevilla und im Schreiben und Überschreiben von Erinnerungen macht sich Cy auf die Suche nach einer Sprache für die eigene Krankheit, für die eigene Queerness, fürs Lieben und ein Leben, das nicht in starre Strukturen passt.
Cy sucht, ruft und findet eine Herde. Zwischen Wahlfamilie und Kernfamilie, Freund:innenschaft und Kernbeziehungen, geht es um die Menschen, die uns durch Nächte, über Kontinente hinweg und übers troubled water begleiten, die Arenen und Mauern einreißen und mit uns ins Meer rennen.