Mr. Goebbels Jazz Band

Vom totalen Jazz ins totale Jetzt: Demian Lienhard erzählt anhand einer Eskapade der NS-Propaganda virtuos vom ewigen Problem des Erzählens.
Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • 2023
  • 16.03.2023

Hardcover

ISBN 978-3-627-00306-7

24,00 *

lieferbar

Berlin, Frühjahr 1940. Auf Beschluss von Joseph Goebbels wird für den Auslandsradiosender Germany Calling eine Big Band gegründet, die als Mr. Goebbels Jazz Band internationale Bekanntheit erlangt. Die besten europäischen Musiker, darunter auch Ausländer, Juden und Homosexuelle, spielen im Dienst der NS-Propaganda wortwörtlich um ihr Überleben – ausgerechnet mit Jazz, der als »entartet« galt. Bis zu 6 Millionen britische Haushalte täglich lauschen den Swing-Stücken mit anti-alliierten Hetztexten und dem Star-Moderator William Joyce alias Lord Haw-Haw, der nach seinem Aufstieg in der British Fascist Union aus London nach Berlin geflohen war. Joyce soll den Erfolg »an der Front im Äther« literarisch dokumentieren lassen. Der dafür ausgewählte Schweizer Schriftsteller Fritz Mahler findet sich im Zuge seines Auftrags, einen Propagandaroman über die Band zu schreiben, in verruchten Berliner Clubs und illegalen Jazzkellern wieder, trinkt zu viel Cointreau, verzettelt sich in seinen Recherchen und muss nicht nur die Skepsis der Musiker überwinden, sondern auch seine gefährlichen Auftraggeber über das schleppende Vorankommen seines Unterfangens hinwegtäuschen. Demian Lienhard erzählt die ungeheuerliche (fast bis ins Detail wahre) Geschichte von Mr. Goebbels Jazz Band und des berüchtigten Radiosprechers William Joyce. In furiosem Tempo jagt Lienhard seinen Figuren von New York nach Galway, London, Manchester, Zürich, Danzig und Berlin nach und stellt den menschenverachtenden Zynismus des NS-Staats ebenso bloß wie die Perfidie der Nazi-Propaganda. Gezeigt wird das Scheitern künstlerischer Produktion im Dienste einer Ideologie, wobei auch die eigene Erzählung verschmitzt unterwandert wird, bis hin zum überraschenden Paukenschlag.

Demian Lienhard © Laura J Gerlach
Demian Lienhard

Demian Lienhard, geboren 1987, aus Bern, hat in Klassischer Archäologie promoviert. Für sein Romandebüt Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat (FVA 2019) wurde er mit dem Schweizer Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Lienhards Roman Mr. Goebbels Jazz Band, für den er u. a. Stipendien von Pro Helvetia, dem Literarischen Colloquium Berlin, der Stadt Zürich und dem Aargauer Kuratorium erhielt und Rechercheaufenthalte in Galway, London und Berlin absolvierte, erscheint im Frühjahr 2023 in der FVA. Demian Lienhard lebt und arbeitet in Zürich.

Stimmen zum Buch


Pressestimmen


Vom totalen Jazz ins totale Jetzt: Demian Lienhard erzählt anhand einer Eskapade der NS-Propaganda virtuos vom ewigen Problem des Erzählens.
Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Roman über eine wahre Geschichte: Demian Lienhard schreibt souverän verstrubbelt über ›Mr. Goebbels Jazz Band‹ (...) Wie der Autor die Stimmen ins Bild rückt und zur Geschichte formt, ist großartig und voller Überraschungen.
Ulrich Steinmetzger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Der Roman ›Mr. Goebbels Jazz Band‹ ist ein sehr komplexes, ästhetisches Spiel und erschöpft sich keineswegs im Kokettieren mit einem spektakulären Thema.
Helmut Böttiger, Deutschlandfunk »Büchermarkt«
›Mr. Goebbels Jazz Band‹ ist ein raffinierter Persiflage-Roman über die manipulative Wirkung von Musik und Sprache.
Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung
Das ist brillant!
Anke Jahns, NDR
Die wahre Geschichte des Faschisten, der ins Nazideutschland flieht, dort Jazzsendungen moderiert, Musik, die verpönt, ja verboten ist, mutet absurd an. Demian Lienhard erzählt sie mit viel Witz und Ironie, mit Sinn für Details. Ein verrücktes Buch, das überrascht, bildet und die Wirkung und den Widersinn von Propaganda in feiner und präziser Sprache vorführt.
Susanne Wankell, WDR5
Demian Lienhard erinnert uns an den menschenverachtenden Zynismus und das perfide System der NS-Propaganda. Dieser Wirklichkeit in ihrer Dramatik fiktional zu entsprechen, ist schier unmöglich. Lienhard gelingt dieses Wagnis.
Nora Zukker, Tages-Anzeiger
Eine temporeiche Persiflage auf die manipulative Wirkung von Musik und Sprache.
Carmen Alonso, Rheinische Post
Nazis hassten Jazz, diese Musik mit Wurzeln im schwarzen Amerika. Dennoch stellte Hitlers Hetzmeister Goebbels die Swing- Band Charlie and His Orchestra mit Ausländern, Juden und Schwulen zusammen, die im englischsprachigen Radiosender Germany Calling für Stimmung sorgen sollte. Diese wahre Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg greift der Schweizer Autor Demian Lienhard (35) in seinem zweiten Roman auf und macht daraus einen temporeichen Text über verlogene Propaganda mit Pauken und Trompeten.
SonntagsBlick Magazin
Demian Lienhard versteht es meisterlich, seinen Roman im Sound jener Zeit zu erzählen. Sein Roman ist ein Sprachkunstwerk.
Gallus Frei-Tomic, literaturblatt.ch
Der Roman [verhandelt] Aspekte von Moral, Schuld und Kunst vor einer gewaltigen Leinwand – und tut dies mit einer Sprache, die der ironischen Absurdität der Geschichte gerecht wird.
André Boße, Musikexpress
Sein Roman thematisiert also nicht nur, was Propaganda anrichten kann, er demonstriert die Wirkmacht von Sprache gleich selbst. Faszinierend, zumal Lienhard ein begnadeter Spracharbeiter ist.
Frank von Niederhäusern, kulturtipp
Demian Lienhard hat für seinen neuen Roman nicht nur sehr gut recherchiert, er überzeugt auch mit Witz, Tempo und seiner sprachlichen Finesse.
Gérard Otremba, Sounds & Books
Demian Lienhards Roman ›Mr. Goebbels Jazz Band‹ ist eine Reflexion über das Verhältnis von Kunst zu Propaganda sowie, dem schweren Stoff zum Trotz, ein kurzweiliges und musikalisches Lesevergnügen.
Florian Bissig, brefmagazin.ch
Der Ton und das Tempo sind im Einklang mit den musikalischen Lauten und greifen ironisch-schelmisch die Geschehen auf und führen das tragische Paradox der Nazipropaganda vor Augen. Seine fundierte Recherche setzt Lienhard brillant um [...] Durch eine eloquente Sprache wird dem Tragischen die Last abgenommen und durch Esprit ersetzt.
@zuhalliest
[...] spannend, kurzweilig und mit genau dem passenden Maß an Humor, den diese Geschichte zulässt, umgesetzt.
@rat_krespel
Lienhard demaskiert mit ›Mr. Goebbels Jazz Band‹ nämlich mit viel Witz, Ironie und Zynismus die perfide Absurdität der Nazi-Propaganda – inklusive Meta-Ebene und einem Ende mit zwei Nachworten, die den Roman perfekt abrunden.
@lese_verliebt
Wenn man sich 2022 nochmal ransetzt und das Thema [2. Weltkrieg] aufgreift, 2023 dann einen Roman rausbringt und wir uns hinsetzen sollen, um ihn zu lesen – dann muss man es so machen wie Lienhard.
@the.literarycorner
Man merkt deutlich, dass der Autor akribisch recherchiert hat, um die Perfidie der Nazi-Propaganda [...] aufzudecken. Der Text ist sprachlich raffiniert gestaltet und mit feiner Ironie unterfüttert. [...] Es ist eine Mischung aus Komik und Ernsthaftigkeit, die den Leser fesselt und zum Nachdenken anregt.
@duchess_of_marvellous_books

Buchhandelsstimmen


Mit Tempo und ganz viel Fabulierlust hat Demian Lienhard einen sehr lesenswerten Roman geschrieben, der eine ungeheuerliche Geschichte erzählt. Mit viel Wortwitz und einem durchgehaltenen ironischen Ton entlarvt der Roman die perfide Propaganda der Nazis.
Hauke Harder, Buchhandlung Almut Schmidt, @hauke.harder
Ein Roman mit gelebter Geschichte, spannend erzählt und mit dem Augenmerk auf die Feinheiten von Sprache sowie die Bedeutung und die Kraft von Worten und Musik.
Johannes Wüst, Bendorfer Buchladen
Kurios, informativ, unterhaltsam-leicht und doch mit Tiefgang, ein wirklich lesenswerter Roman mit überraschendem Ende: beste Unterhaltung!
Ingeborg Jakobi, Buchhandlung Ulenspiegel
Die Geschichte ist originell und geschickt konstruiert, der Autor ›malt‹ seine Sätze förmlich, bilderreich und atmosphärisch dicht zieht er den Leser in seinen Bann. Ich kann getrost behaupten, dass ich einen Roman wie diesen noch nie gelesen habe. Er ist unterhaltsam und lehrreich zugleich, und, mit Blick auf das Weltgeschehen, derzeit leider auch ziemlich aktuell.
Michael Flath, Thalia Darmstadt
Ein Roman, der faszinierende Einblicke in ein vergessenes Kapitel des ›Dritten Reichs‹ gewährt, lebendig und fesselnd bis zum furiosen Schlusstwist.
Buchjournal